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Im Zeit-Raum: Oliver Scheibenbogen & Ingrid Brodnig

Johannes Kaup im Gespräch mit dem Psychologen Oliver Scheibenbogen und der Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig.

Wir greifen täglich zum Smartphone – aus Gewohnheit, aus Langeweile, aus der Angst, etwas versäumen zu können. Doch was macht dieses Gerät, das immer dichter an unseren Körper rückt, mit uns? Erste Studien zeigen: Viele Menschen empfinden ihr Handy bereits als Teil ihres Körpers. Wenn Technik zur gefühlten Extremität wird – passt sich dann unser Gehirn an eine neue Spezies an? Wird aus Homo sapiens allmählich Phono sapiens? Drohen wir in der digitalen Sucht unterzugehen?

Oliver Scheibenbogen, Klinischer Psychologe am Anton-ProkschInstitut, beschreibt die psychoaktive Wirkung des Smartphones: von FOMO (Angst etwas zu versäumen) über Schlafstörungen bis hin zu Binge-Watching und exzessivem Online-Shopping. Gibt es so etwas wie eine Handy-Sucht – und wie erkennt man sie? Wer entscheidet, was noch "normal" ist, wenn Ubiquität, Mobilität und permanent verfügbare Reize die Kultur ganzer Gesellschaften verändern? Aber Digitalisierung ist nicht nur eine Frage der Selbstregulation – sie ist auch ein politischer Raum.

Ingrid Brodnig zeigt, wie digitale Plattformen Wut belohnen, Debatten emotionalisieren und Polarisierung verstärken. Wenn die lautesten Stimmen Reichweite gewinnen und Verschwörungsmythen ganze Familiengespräche sprengen – wie können wir reagieren? Welche Strategien helfen, Fakten gegen Falschmeldungen zu behaupten, Hass zu kontern und Empathie zurückzugewinnen? Wie verändert uns die digitale Mediennutzung? Wie schützen wir unsere Aufmerksamkeit, unsere Beziehungen, unsere Demokratie? Und welche Verantwortung trägt jede und jeder von uns im digitalen Raum?

Oliver Scheibenbogen ist Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe, Forschungskoordinator am Anton-Proksch-Institut und Autor von "Phono sapiens – über die psychoaktive Wirkung neuer mobiler Endgeräte". Er habilitierte an der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien, promovierte an der Universität Wien und der Universität Liechtenstein und beschäftigt sich mit Diagnostik, Prävention und Behandlung von Verhaltenssüchten.

Ingrid Brodnig ist Journalistin, Autorin und Expertin für Desinformation, digitale Polarisierung und Hass im Netz. Ihre Bücher – darunter "Einspruch!", "Wider die Verrohung" "Hass im Netz" und "Feindbild Frau" – bieten Strategien gegen Manipulation und wurden vielfach ausgezeichnet. Sie schreibt eine Kolumne im "Standard" und hält europaweit Vorträge über digitale Debattenkultur.

5. Mai 2026 18:30 Uhr

Radiokulturhaus

Bühne im Haus des ORF-Funkhaus

Argentinierstraße 30a, 1040 Wien