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Sundl (Ö)

"Goth Housing" ist das fünfte Album des Wiener Produzenten Sundl. Und: Musik für Seelen, die den Geruch von Kellergewölben als Beziehungsstatus anführen. Sundl nennt das nicht ohne Grund Goth House.

Auf der einen Seite: verschwitzte Euphorie, dieses manische Wir-Gefühl um 4 Uhr 12. Auf der anderen: die noble Blässe, der David-Lynch-Vorhang der Welt. Für Sundl ist das keine Scheinehe. Eher eine leidenschaftliche Affäre auf dem Friedhof von Père Lachaise, wo man in schwarzem Rollkragenpullover den Optimismus beerdigt.

Dafür zeichnet "Goth Housing" zuerst ein Vanitas-Stillleben als Clubmusik. Natürlich ohne dieses Hände-hoch-Versprechen, ohne ewigblödes "gleich passiert was". Hier passiert es nämlich die ganze Zeit – nur nicht als Rauschformel, sondern als kritische Infrastruktur. Ja, Goth wohnt hier. Mit Meldezettel. Ohne Heizung. Und hinter schlecht isolierten Wänden. Ein Album wie ein Gebäude, das nachts längere Schatten wirft als tagsüber.

Man hört "Goth Housing" und denkt an alles gleichzeitig: An Robert Smith, der heimlich Ecstasy nimmt, an leerstehende Immobilien in der Josefstadt, an die totale Abwesenheit von Vitamin D und an die Frage, ob Schwarz wirklich die Antwort ist oder ob es einen nur unsichtbar macht für die Zumutungen der Außenwelt.

Wahrscheinlich ist "Goth Housing" aber gar kein Album über Dunkelheit, eher über Konsequenz. Darüber, etwas durchzuziehen, ohne es dauernd kommentieren zu müssen. Sundl baut also weiter. Raum für Raum. Und man merkt erst spät, dass man längst eingezogen ist.

7. Mai 2026 20:00 Uhr

Cafe Wolf Graz, Graz